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Unser Freund, die Heuschrecke

Private Equity-Investoren sind kein Schreckgespenst

Wenn wir an Heuschrecken denken, sehen die meisten eine naturbelassene Wiese vor sich, auf der sich possierliche Grashüpfer tummeln – oder aber ein im Schwarm auftretendes Insekt, das auf die Felder einfällt und sie kahlgefressen zurücklässt.

Letztere Assoziation hat wohl auch dazu geführt, dass seit etwa 15 Jahren Beteiligungsgesellschaften und Private Equity (PE)-Investoren im Volksmund als Heuschrecken betitelt werden – eine Bezeichnung, die die Branche bis heute nicht loswird. Nach dieser Vorstellung kaufen PE-Investoren Unternehmen auf, nehmen sie finanziell aus, zerschlagen sie und verkaufen sie dann mit riesigen Gewinnen weiter, ohne dabei Rücksicht auf die Mitarbeiter zu nehmen. An jedem Klischee ist etwas Wahres dran, aber das Geschäftsmodell der PE-Investoren hat sich in den vergangenen Jahren merklich verändert: vom rein finanzgetriebenen hin zum strategischen Investor.

Große Unternehmen, auch in der chemischen und Life-Science-Industrie, prüfen in regelmäßigen Abständen ihre Strategie. Dabei stellen sie mitunter fest, dass eine Produktgruppe oder Geschäftseinheit aus strategischer oder wirtschaftlicher Sicht nicht mehr ins Portfolio passt. Sie suchen nach Möglichkeiten, diese Bereiche zu veräußern. Erste Wahl ist oft ein strategischer Käufer, der genau darin einen guten Fit zu seinem Portfolio sieht. Aber auch PE-Investoren sind aus diesen Verkaufsrunden nicht mehr wegzudenken – und zwar zu Recht. Denn sie bieten eine große Chance: Mit Hilfe der neuen Führung und des neuen Kapitals kann das ausgegliederte Unternehmen Prozesse konsequent optimieren und das Geschäftsmodell neu ausrichten.

Selbstverständlich will der PE-Investor Gewinne verbuchen – aber welches Unternehmen aus der Industrie will das nicht? Durch die Interaktion zwischen PE-Investor und Industrie im Rahmen des Portfolio-Managements kann sich aber eine symbiotische Beziehung entwickeln, die beiden Seiten Vorteile bringt:

Hat ein Unternehmen eine Desinvestition gefunden, nimmt der PE-Investor viel Geld in die Hand, um das Target zu kaufen, neu zu organisieren und in Zusammenarbeit mit Unternehmensführung und Mitarbeitern das Geschäftsmodell zu optimieren.

Anschließend bleibt das Unternehmen eine Zeit lang im Portfolio des PE-Investors, wird eventuell durch Zukäufe vergrößert und gestärkt (buy & build), bevor sich eine Gelegenheit zum IPO oder Weiterverkauf ergibt – an einen anderen PE-Investor (secondary buy-out) oder aber doch an einen strategischen Käufer, für den das Unternehmen mit den durchgeführten Veränderungen jetzt eine attraktive Ergänzung des eigenen Portfolios darstellt. So wird die zu Anfang ausgegliederte Geschäftseinheit nun in ein neues Unternehmen integriert, während ein anderes Unternehmen einen ihrer Unternehmensteile in den gerade beschriebenen Kreislauf entlässt (s. Abb. 1).

Abb. 1: Schematische Darstellung der symbiotischen Wechselwirkung zwischen Unternehmen und PE-Investor zu erfolgreichem Portfolio-Management innerhalb der gesamten Branche.

Was hat das alles mit einer Strategieberatung wie Sapherior zu tun? Für Strategieberatungen mit Fokus auf einen speziellen Industriebereich (wie z.B. Sapherior für die Chemie- und Life-Science-Industrie) gehören Portfolio-Management-Projekte zum täglichen Geschäft. Als Branchenexperten mit herausragender Prozess- und Marktkenntnis ist ihr Ratschlag Gold wert und ihre fundierte Einschätzung der Branchenentwicklung bei jeder Investitionsentscheidung von großem Nutzen. Eine Zusammenarbeit von PE-Investor und Strategieberatung trägt also aktiv zur Erfolgsstory des neuen Unternehmens bei.

PE-Investoren leisten einen wertvollen Beitrag zum Portfolio-Management in der Chemie – das ist ein guter Grund, die Heuschrecke wieder nur ein hüpfendes Insekt sein zu lassen.

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